Zusammen mit meinen Geschwistern habe ich am vergangenen Wochenende einen ziemlich schieren Kurztrip unternommen: Mitten in der Nacht sind wir auf den Hahn gefahren, von wo aus unser Flieger nach London-Stansted startete. Amüsanterweise hat sich am Abend zuvor herausgestellt dass die Franzi ebenfalls in diesem Flieger sitzen würde, deshalb waren wir zu viert im Auto.
In Stansted angekommen, sind wir (mittlerweile zu dritt) erstmal mit dem Bus in die Innenstadt gefahren, wo wir innerhalb weniger Stunden die obligatorischen Sehenswürdigkeiten abgeklappert haben. In chronologischer Reihenfolge waren das: Buckingham Palace, Green Park, St. James Park, Horse Guards, Downing Street, House of Parliament/Big Ben, St Paul’s Cathedral, Millenium Bridge, Globe Theatre, Tower of London, Tower Bridge (inklusive Hochklappen!) und das neue Rathaus, um nur mal die wichtigsten zu nennen.
Eigentlich genug Stoff für einen ellenlangen Blogeintrag, sollte man meinen. Ich verzichte aber auf jegliche Details, denn schließlich waren wir wegen etwas ganz anderem in London: Am 10. und 11. September spielten Muse zwei ausverkaufte Konzerte im legendären Wembley Stadium. Das roch für uns schwer nach einem legendären Konzertabend, und tatsächlich ist das die einzige Band der Welt, die unter den Hüten unserer drei Musikgeschmäcker gleichermaßen so viel Platz hat, dass wir diese Reise auf uns nahmen. [Versteht man diesen Satz?] Jedenfalls, nachdem wir durch mehrfaches Umsteigen den gesperrten Streckenabschnitt der U-Bahn umfahren hatten, sind wir dann tatsächlich fast rechtzeitig zur zweiten Vorband im wahrscheinlich berühmtesten Fußballstadion der Welt angekommen.
Die Menschenmenge, der wir uns auf dem Fußweg zwischen U-Bahn-Station und Arena angeschlossen hatten, war ja schon beeindruckend, aber der Moment, in dem wir den Innenraum betraten war echt atemberaubend. Ich wusste nicht, dass es so viele Menschen gibt. Und dass doppelt so viele (also 140.000!!) nach London fahren, um sich eine Band anzuhören, von der noch vor drei Jahren mein Umfeld noch nie etwas gehört hatte, ist schon krass.
Aber bevor Bellamy, Wolstenholme und Howard die Bühne betraten, spielten erstmal noch (vor unserer Ankunft White Lies, dann) I Am Arrows und Biffy Clyro – jeweils nicht schlecht, allerdings waren wir ja für Muse da. Während dem letzten Song der Schotten, deren Funke irgendwie nicht so ganz auf mich übergesprungen ist haben wir angefangen, uns einen ordentlichen Platz auf dem Pitch zu ergattern. Bei den ungeheuren Dimensionen des Stadions kamen unsere ~100m Luftlinie zur Bühne richtig nah vor (bis zum letzten Tribünenplatz waren es bestimmt 500m), gleichzeitig habe ich noch nie bei einem Konzert so weit weg von der Band gestanden.
Um 10 vor 9, also fast pünktlich betraten Muse die Bühne und starteten direkt mit dem Opener des seit genau einem Jahr (auch seit dem 11. September) aktuellen Albums “The Resistance”, Uprising. Um mich herum singen 70.000 Menschen den Chorus “They will not force us, they will stop degrading us” – Gänsehaut pur. Wenn das kein Grund ist, kurzzeitig ins Präsens zu wechseln, weiß ichs auch nicht. Dramaturgisch passend fielen zeitgleich mit dem Opener die einzigen drei Minuten Regen des Abends. Die atemberaubende Bühnenkonstruktion, die eine gigantische optische Täuschung war, entpuppte sich als riesige Videowand, die die nächsten gut 2 Stunden richtig toll anzusehen war: Unglaublich tolle Sequenzen und zwischendurch immer wieder interessant eingebundene Livebilder von der Bühne.
Überhaupt hat man sich einige höchst spektakuläre Gimmicks einfallen lassen, die erstmal ihresgleichen suchen: Die Konfettikanone bei Guiding Light war schon klasse, wirkt dann aber doch etwas blass gegenüber dem riesigen Ufo-Ballon, der während Exogenesis pt. I einmal quer durchs Stadion schwebte, außerirdische Akrobatin inklusive… Undisclosed Desires spielten die drei Herren von einer Hebebühne, die sich um die eigene Achse drehte, und über die atemberaubende Beleuchtung könnte ich stundenlang erzählen.
Insgesamt umfasste das Set 23 Songs, besonders hat mich gefreut dass man 4 Stücke vom doch recht alten Origin of Symetry- Album gespielt hat. Ich hätte jetzt gerne eines davon besonders hervorgehoben, konnte mich aber nicht zwischen Bliss, Citizen Erased, Feeling Good und dem Klassiker Plug In Baby entscheiden. Es war einfach der helle Wahnsinn. Weitere besondere Grüße gehen an Starlight und die allerletzte Zugabe Knights Of Cydonia, deren Intro um den Soundtrack von “Spiel mir das Lied vom Tod” inklusive Mundharmonika von Chris Wolstenholme erweitert wurde – der Hammer!
Dann war es auch schon 23 Uhr – Sperrstunde! 70000 Menschen verließen das Stadion und gingen (oder besser: flossen) in Richtung U-Bahn-Station. Wenn man sich an der britischen Polizei, die den Fluss der Menschenmenge überwachte, eine Scheibe abschneiden würde, riefe das vermutlich Tierschützer auf den Plan, denn die Bobbys haben mit Pferden den Fußweg gesichert – und das hat super funktioniert. Wenn es sich irgendwo staute und eine Engstelle drohte, drehten sich die Pferde um 90° und versperrten so lange den Weg, bis sich der Weg wieder frei war. Davon können sich die deutschen Einsatzkräfte eine riesen Scheibe abschneiden, man denke nur mal an die Loveparade-Katastrophe…
Wie dem auch sei, wir kamen recht zügig zum Zug und betraten die Victoria Station, wo wir ein paar Stunden ruhen wollten, bevor unser Bus uns nach Stansted zurückbringen sollte. Guter Plan, leider machte uns die Sperrstunde da einen Strich durch die Rechnung und wir wurden rausgeschmissen – so wie etwas später auch aus einem Einkaufszentrum. Aber dann kam auch schon der Bus, der Flughafen, das Flugzeug, das Auto, das Bett…
Fazit: Gigantisch!!!

Schöner Artikel, schönes Konzert.
Noch ein paar kluggeschissene Kommentare vom Mo:
White Lies haben wir gesehen, I Am Arrows haben wir verpasst.
Und solche berittene Polizei gibt es in Deutschland auch, insgesamt elf Staffeln in sieben Bundesländern, meint Wikipedia.
Hm, kann sein… Ich war ja wegen Muse da, nich wegen der Vorbands…
Die Pferdestaffeln sollten sie dann mal mehr einsetzen, das is cool.
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