Am Freitag spielten Iron Maiden zusammen mit In Flames, Papa Roach, Mastodon und Lauren Harris im Ludwigshafener Südweststadion. Das konnten wir (Tina, Dario, Niko, Gero) uns natürlich nicht entgehen lassen.
Eigentlich wollten wir uns ein Schönes-Wochenende-Ticket am Bahnhof kaufen, aber Tina hatte etwas Entscheidendes festgestellt: die Eintrittskarten waren gleichzeitig Zugkarten für die An- und Abreise. Da wir aber nicht wussten, ab welcher Station die Karten galten, wollten wir direkt mal im Kundeninformationszentrum des Saarlouiser Bahnhofs nachfragen. Geschickterweise hatten die aber 10 Minuten vor unserem Eintreffen zugemacht. Der Fahrdienstleiter hat grundsätzlich den Plan von nix, und so telefonierten wir uns zu irgend einem leibhaftig am Telefon sitzenden Servicemitarbeiter durch, der uns sogar irgendwann zurückrief und erklärte, dass die Karten ab Homburg gültig waren.
Begünstigt vom Umstand dass wir nach dem Konzert wahrscheinlich ewig in Kaiserslautern Aufenthalt hätten, entschieden wir uns, bis dort mit dem Auto zu fahren und den Rest mit dem kostenlosen Zugticket zurückzulegen. Das war mir als Fahrer sehr recht, und die Zugverbindungen passten so weit auch. Also direkt mal in den Supermarkt und von dort aus auf die Autobahn.
Die Kaiserslauterner Innenstadt ist laut Beschilderung nicht einfach die Stadtmitte, sondern im Norden, Westen und Süden. Egal: den Bahnhof und das dazugehörige Parkhaus fanden wir trotzdem.
Die Zugfahrt nach Ludwigshafen versüßten wir mit ein oder zwei Bier, die zusammen mit unseren langen Haaren und Metal-T-Shirts bei einer Dame gesetzteren Alters skeptisches Kopfschütteln hervorriefen. Ja, die Jugend von heute.
Am Zielbahnhof traf ich direkt mal den Genge, der sich dort mit Nickel und Thomas treffen wollte. Da die Schließfächer alle voll oder kaputt waren, legte Gero seinen Rucksack in Nickels Auto, bevor wir zum Südweststadion gingen.
Wir kamen genau pünktlich zum Beginn des ersten Acts: Lauren Harris, die Tochter von Maiden-Bassist Steve. Ihr Stil lag irgendwo zwischen Kelly Clarkson und den neueren Dio-Platten, war mir aber insgesamt etwas zu poppig.
Nach einer wirklich kurzen Umbaupause spielten Masturbation Mastodon melodischen Trash-Metal mit Hardcore-Anteilen, sehr gelungen! Das sah der ungefähr 60-jährige Mann wohl genauso, der wie in Trance die ganze Show über das Funky Chicken tanzte und auch sonst noch allerhand lustige Bewegungen draufhatte.
Als nächstes spielten Papa Roach. Nach einigen neueren, recht flachen Songs packten sie dann auch mal die Klassiker aus, und Last Resort kam sogar richtig gut.
Zu In Flames gingen wir weiter nach vorne. Letztenendes standen wir ungefähr in 5. Reihe, allerdings genau bei den Bassboxen, weshalb wir wesentlich mehr Double-Base und Bass als Gitarren und Gesang hörten. Der Auftritt der Schweden war Weltklasse: die Setlist war echt genial, und sie heizten dem Publikum noch weiter ein, sofern das unter der prallen Sonne überhaupt möglich war. Von „The Quiet Place“, einem der genialsten Lieder die es überhaupt gibt, habe ich immer noch Nackenschmerzen!

Gegen halb neun lief „Doctor, Doctor“ als Intro. Dann gab das riesige schwarze Tuch die Sicht auf die großartige Bühnenkulisse im Matter-Of-Life-And-Death-Stil frei, die dann auch gleich von Nicko McBrain, Dave Murray, Adrian Smith, Jannick Gers, Steve Harris und Sänger Bruce Dickinson betreten wurde. Als Opener spielten Iron Maiden „Different World“. Neben vier weiteren Titeln vom neuen Album standen jede Menge Klassiker auf der Setlist, wie zum Beispiel „Fear of the Dark“, „Number of the Beast“ (bei dem ein übergroßer Teufelskopf auf die Bühne gehoben wurde, der durch seine rot leuchtenden Augen das Publikum böse anstarrte), „Hallowed be thy name“, „Iron Maiden“ (bei dem ein riesiger Panzer sein rauchendes Kanonenrohr auf das Publikum richtete), „Wrathchild“, „Two Minutes to Midnight“ (bei dem ein mindestens 5 m hoher uniformierter Eddie Gitarrist Jannick Gers attackierte), oder „The Trooper“. Der Sound war spitze, die Bühnenperformance ebenso, und die Virtuosität jedes einzelnen Musikers machten den Auftritt zu einem der besten, den ich je sah. Viel zu früh gingen die Engländer von der Bühne.
Nach dem Konzert machten sich die überwältigenden Menschenmassen zum Bahnhof auf, wo wir glücklicherweise einen früheren Zug als geplant bekamen. Wir standen dann zwar länger am Bahnhof von Neustadt an der Weinstraße (von der Bandansage im Zug mit „Neustadt Central Station“ übersetzt), waren aber dennoch früher als befürchtet am Auto, im McDonalds und zu Hause.
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