In der letzten Woche war ich auf dem KfG (Kurs für Gildenführer). Das Hauptthema des Kurses ist die Gilde, ihre Vorteile, ihr Aufbau, ihre Funktionsweise und noch so einiges drumherum.
Natürlich war ich nicht alleine da, sondern zusammen mit Tamara und Simon aus meinem Stamm (Falke Altforweiler), Tamara und Lukas (Piraten Neuwied), Lukas (Tscherkessen Saarbrücken), Lutz und Vincent (Pilgrim Falconi Heimbach-Weis), sowie Richard und Jan (von Helfenstein Arenberg). Unsere Teamer waren Chisum, Mitsch und Tom, wobei Mitsch und Tom leider früher fahren mussten.
Der Kurs begann schon richtig geil: wir bekamen die Aufgabe, unsere KeiKoKeiJu (bescheuerter Name für eine Fünfblattkohte mit Seitenbahnen) einen Meter über dem Boden zu errichten. Also musste ein Podest her. Nach langem Überlegen hatten wir uns auf eine Konstruktion geeinigt, und schon bald wurden Stangen und Bretter geschleppt, gebunden, geknotet und Pfähle in die Wiese getrieben. Am frühen Abend erhob sich am Rand des Lagerplatzes nun unser riesiges Podest, das schon son bisschen einem Floß glich.
Die nächsten Tage waren erfüllt von vielen hoch theoretischen Einheiten, die aber wirklich sehr gut gestaltet waren, so dass ich mich gut konzentrieren konnte. Mittags kochten wir auf unserem Feuertisch, abends bespaßten wir die Teilnehmer des parallel stattfindenden SFT (Sippenführertraining) mit Jurtenabend inklusive Lichtspur und einem Geländespiel (natürlich alles selbst geplant!). Aus dem Schild mit der Aufschrift „Popoclub“, das Lukas zu Beginn des Kurses vor unser Zelt gestellt hatte, wurde mit der Zeit eine regelrechte Institution: wir WAREN der Popoclub, angeführt vom Hardcore-Senator, und unser Schlachtruf war BARÖNG.
Grundlegend änderte sich das Programm am Mittwoch, an dem wir nach der Morgenrunde (auch immer von uns gestaltet) auf Kundschaft gingen. Kundschaft ist eine Methode der Ranger-Rover-Stufe, in der man über ein selbst gewähltes Thema Informationen zusammenträgt und in irgend einer Form präsentiert. Aus Zeitgründen hatte unsere Kursleitung für uns das Thema „Freiheit“ gewählt und Treffen mit den verschiedensten Personen organisiert, die uns verschiedene Aspekte des Themas näher bringen sollten.
Die ersten beiden Termine waren zeitgleich, und so teilten wir uns in zwei Gruppen. Zusammen mit Tamara (Altforweiler), Simon, Richard und Jan besuchten wir das „Zentrum für Ambulante Suchtmittelhilfe“ in Koblenz. Dort wurden wir von Frau Vollmann-Muth empfangen, die uns viel über ihre Arbeit, über Suchtverhalten, und die Unfreiheit, die aus der (Drogen-) Abhängigkeit resultiert, erzählte. Der Rest vom KfG war in dieser Zeit bei den „Menschen Ohne Wohnung“, die Obdachlosen in Koblenz helfen.
Den zweiten Termin nahmen wir alle zusammen wahr. In der Caritas-Verwaltungsstelle sollten wir uns mit Schwester Dagmar Blum treffen. Wir wurden zuerst mal von Chisums Mutter begrüßt, die uns in einen Sitzungssaal mit ganz viel Kaffee und Kuchen führte - geil!!! Frau Blum war auch schon da, und nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einem Gespräch über Pfadfinder ging es zur Sache: Die gute Frau leistet ehrenamtlich große Arbeit für Solwodi (= Solidarity for Women in Distress), einer Organisation, die sich den Kampf gegen Zwangsprostitution auf die Fahne geschrieben hat. Sie fing dann auch bald an, ganz unvermittelt von der Koblenzer Mafia, die den Menschenhandel mit jungen Frauen aus Entwicklungsländern organisiert und diese zur Prostitution zwingt, zu erzählen. Ich und mit mir mein kompletter Kurs war total geschockt von den Abartigkeiten und Perversitäten, von denen wir hier erfuhren. So etwas Schreckliches hätte ich mir nie vorstellen können!
Einige Zeit später, als wir uns wieder einigermaßen gesammelt hatten, setzten wir uns erst einmal am Rheinufer in die Sonne, um uns über den Rest der Kundschaft und über die Art und Weise der Präsentation klar zu werden. Aber irgendwie hatten wir alle so viel Input den ganzen Tag gehabt, dass die wenigsten noch in der Lage waren, konstruktiv weiter zu arbeiten. Also kauften wir uns Verpflegung für den Abend und fuhren zum Arenberger Stammesheim. Richard hatte auch noch den Piet aus Arenberg angerufen, ob er denn vorbeikommen wollte, und so hatten wir einen recht lustigen Abend. Baröng!
Am nächsten Morgen fuhren wir wieder in die Stadt, um dort Fotos zu machen und Leute zum Thema Freiheit zu befragen. Jedes Foto bezog sich auf eine Frage über Freiheit, und da kamen schon richtig gute Ergebnisse raus. Auch die Umfrage am Bahnhof war ein voller Erfolg: bis auf ein paar genervte Leute („Was ist für Sie Freiheit??“ – „Ich hann mei Ruh un feddich“) bekamen wir doch sehr gute Antworten, zum Beispiel: „Ich bin in meinem Leben zwei Mal befreit worden: einmal durch die Absetzung Hitlers, und das andere Mal, als ich mich von meiner Frau getrennt habe.“
Generell konnte bei manchen Menschen doch sehr viel Freude feststellen darüber, dass ihnen mal jemand zuhörte. Ein recht bedepperter Mann mittleren Alters, der richtig viel erlogenen Müll zum Besten gegeben hatte, dankte uns das sogar mit frisch geklauten Bananen – schönen Dank auch! Die haben wir natürlich nicht gegessen.
Zurück auf dem Lagerplatz fassten wir unsere Erkenntnisse dann in Plakate und stellten sie abends, im Rahmen eines richtig geilen dreigängigen Dinners Chisum und Icki vor.
Erschöpft von der Kundschaft ging es dann recht spät in die KeiKoKeiJu, wo unser gerecht verdienter Schlaf jedoch von den SFT-Teamern Philipp, Benny und Schneyra unterbrochen wurde, die uns von unten ausräucherten… gar nicht nett!!!
Freitags standen noch einmal Einheiten auf dem Programm, wir erarbeiteten ein konkreten Plan, das Gildensystem in unserem Stamm zu verwirklichen, und dann ging es auch schon an den Abschlussabend. Wir hatten uns in Workshops aufgeteilt, zu denen wir die SFT- Teilnehmer hinzuzogen. Mit Richard und Vincent moderierte ich die Gruppe, in der der Gesamtablauf des Abends mit Liedauswahl und Moderation erarbeitet wurde.
Der Abschlussabend selbst war dann eine runde Sache. Besonders hervorzuheben wäre hier die Korbpolka, die nach einem etwas gezwungenen Beginn noch richtig gelöst weiterging, nicht zuletzt da die zwei Gitarren, Kazoos und Bossis Selfmade-Kontrabass richtig geile Tanzmusik aufspielten.

Samstags mussten wir dann auch schon wieder abbauen und begaben uns auf den Heimweg. Schade, es war ein richtig geiler Kurs!!!
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