Am Wochenende war Winterlager des Stammes Falke in Britten. Die Wölflinge und Pfadis reisten über Fahrgemeinschaften an, wir Gruppenleiter parallel in unseren Autos (bzw ich in meinem Fall mit dem Auto meiner Mutter
). Susi hatte sich zwar in Britten ein bisschen vernavigiert, aber ansonsten verlief der Freitag komplett unspektakulär… Die Kids hatten noch recht viel Energie, was natürlich für uns Energie raubend war.
Erst Freitag abends erfuhren wir zwei recht merkwürdige Besonderheiten des Brittener Pfadfinderheims:
- Es ist bewohnt!!! Der Stammesführer des Brittener CPS-Stammes ist Förster auf dem umliegenden Gelände, und zur Zeit hat er einen Praktikanten aus Sachsen-Anhalt. Dieser wohnt in besagtem Pfadfinderheim für diese Zeit kostenlos unter der Bedingung, eine Wand herauszubrechen. Aber nicht irgendeine Wand, sondern die massive, meterdicke Stahlbetonwand des Kellerraums:
- Der Bunker!!! Das Haus steht auf einem Sanitärbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Das ist so weit noch nicht tragisch, aber die sanitären Anlagen befinden sich in diesem Bunker. Mit anderen Worten: um auf die Toilette zu gelangen, muss man eine steile Treppe herunter, die zu einem Durchlass von maximal 1 m Höhe führt, der in einen Flur führt, von dem man in einen Raum gelangt, der eine Tür zum Badezimmer besitzt. Schreitet man durch diese Tür und an den Duschen und Waschbecken vorbei, kommt man zum eigentlichen Toilettenraum, in dem sich ein Pissoir und eine Toilette befinden, die man nur per Vorhang visuell abschließen kann. Hätte man ja auch mal früher erwähnen können!
Na ja, egal! Nach dem Essen wurden die Kinder in das Programm eingeführt: Harry Potter. Dazu wurden sie in Häuser eingeteilt, der Wettstreit um den Hauspokal begann und der Basilisk begann (im Rahmen eines Spiels), sein Unwesen zu treiben. Darüber hinaus wurde der Gemeinschaftsraum mit Spinnweben und Hexenbesen dekoriert, und auf der Bunkertoilette nistete sich die Maulende Myrte in Form eines CD-Players ein, deren gelegentliche Kommentare die Kleineren in Angst und Schrecken versetzten.
Unser viel zu kurzer Schlaf wurde immer wieder von auf die Toilette gehenden Kindern unterbrochen, und dementsprechend k.o waren wir auch am nächsten Morgen.
Nach dem Frühstück und der Morgenrunde fanden die Unterrichtsstunden (AGs) statt. Ich hielt als Professor Flitwick die Zauberkunst-Stunde, in der ich mit Victoria, Kathrin, Janine, Jannik, Christian und Jan einige interessante Experimente durchführte. Zuerst probierten wir uns an den berühmt-berüchtigten Cola-Fontänen, die entstehen, wenn man Menthos in die möglichst volle Flasche wirft. Als nächstes entfärbten wir Cola mithilfe von Aktivkohle. Leider zerstörte jemand vorzeitig das Filterpapier, und die rohölartige Suspension lief anstatt der entfärbten Cola ins Glas. Darauf hin pressten wir einige Orangen aus, mit dem Ziel, Stichflammen aus den Ölen unter der Schale zu erzeugen. Das hat wiederum erstklassig funktioniert! Beim nächsten Versuch nutzten wir den Sog einer brennenden Kerze, Wasser in ein umgestülptes Glas zu ziehen. Nicht minder interessant war der nächste Versuch, den wir im absolut dunklen Bunker machten. Hier zerschlugen wir Würfelzucker, was den außergewöhnlichen Effekt zu Tage bringt, dass beim Zerschlagen der Zucker einmal kurz aufblitzt. Das Ende der „Unterrichtsstunde“ war das Einfärben von Flammen mittels verschiedener Metallverbindungen: die Flamme von Pottasche leuchtete aufgrund des enthaltenen Kaliums leicht violett, das Calcium aus Eierschalen färbte die Flamme rot. Ich wollte eigentlich noch mithilfe von Bor grüne Flammen erzeugen, aber laut dem Apotheker meines Vertrauens darf Bor seit ungefähr 10 Jahren nicht mehr frei verkauft werden…
Nach dem vorzüglichen Mittagessen (Chili Con Carne) folgte der Postenlauf. Er basierte auf den Rätseln aus „Harry Potter und der Stein der Weisen“. An meinem Posten mussen die Kids ein Schlaflied singen, um den dreiköpfigen Hund zu besänftigen.
Am Abend fand das große Abschlussfest statt, für den jedes Haus einen kleinen Vortrag einstudiert hatte. Diese sehr unterhaltsamen Programmpunkte wurden durch Butterbier (Malzbier), die Törtchen aus Tamaras Verwandlungs-Unterrichtsstunde und einige Pfadfinderlieder zu einem gelungenen Abend ergänzt.
An dieser Stelle gingen die Wölflinge der Meute Sioni ins Bett, während auf die Meute Kaa ein wichtiger Augenblick ihres Pfadfinderlebens wartete: der Meutenausstoß. Sie haben langsam aber sicher das Alter erreicht, in die Pfadfinderstufe überzutreten, und bei diesem Ritual wurden sie von Wölflingen zu Jungpfadfindern, die sich in ihren nun beginnenden Sippenstunden auf ihr anstehendes Versprechen vorbereiten werden. Der recht andächtigen Zeremonie folgte ausgelassenes Herumgerenne der Jungpfadfinder, das schließlich darin ausartete, dass sie den Holzstiel einer zuvor benutzten Pechfackel als „Hexe“ verbrannten, und extatisch im Chor riefen „die Hexe brennt!!“ Es erinnerte doch ein wenig an Voodoo-Zauber!
Als dann endlich ALLE Kinder im Bett waren, gingen wir Gruppenleiter in die neben dem Haus stehende Sauna. Nach den 1 bzw. 2 Saunagängen liefen wir jeweils ein wenig draußen rum, um uns abzukühlen, wenzelten uns auf dem Boden und solche Späße. Die Mädels gingen zuerst duschen, und ließen uns leider kein warmes Wasser mehr übrig. Na ja, nich so schlimm, wir kamen ja (fast) frisch aus der Sauna!
Nach dem Duschen gingen wir dann auch recht schnell schlafen.
Sonntags passierte eigentlich nicht mehr viel: die Bude, die wir in den zwei vorigen Tagen auf den Kopf gestellt hatten, musste wieder aufgeräumt und geputzt werden, und zu Reflexionszwecken mussten die Wölflinge und Pfadis Zeugnisse ausstellen, die das Lager benoteten. Nach dem Abschlusskreis wurden die Kinder abgeholt, aber mussten wir noch ein wenig putzen, bis alles zur Zufriedenheit des zugegebenermaßen recht pingeligen Brittener Heimwarts blitzte und glänzte. Im Losheimer McDonalds ließen wir das Winterlager 2007 ausklingen.
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