Mittlerweile könnte ich es schon fast eine Tradition nennen: Seit vier Jahren poste ich um die Weihnachtszeit meine Top-5-Alben des vergangenen Jahres in ungeordneter Reihenfolge. Hier meine Lieblinge von 2010:
Alter Bridge – AB III (VÖ 8.10.): Das Vorgängeralbum Blackbird war schon echt klasse, aber hier haben die Herren Kennedy, Tremonti, Phillips und Marshall echt ein Meisterwerk fabriziert. Die Strukturen sind gewohnt kompakt, beinhalten aber das bisher beste Material der Creed-Nachfolgeband. Es ist ein gutes Stück düsterer als ihr bisheriges Oeuvre, was vermutlich auf Myles Kennedys Lyrics über Tod und Vergänglichkeit zurückzuführen ist. Dessen Gesang ist übrigens eine totale Wucht. Das Album bewegt sich durchgängig auf ganz hohem Niveau, es gibt keine schlechten Songs, und die Produktion ist superfett.
The Ocean – Heliocentric / Anthropocentric (VÖ 9.4. / 19.11.): Eigentlich wurden die beiden Alben separat verkauft und ich habe für beide ein Heidengeld ausgegeben, aber eigentlich handelt es sich um ein Konzept-Doppelalbum über Glaube und Weltanschauungen und die beiden CDs gehören doch irgendwie zusammen. Beide befinden sich in extrem schön gestalteten Digipaks mit Sternenmotiven und jeweils einem drehbaren Sternenkalender – einmal mit der Sonne, einmal mit der Erde im Mittelpunkt. Die Musik bietet eine enorme Bandbreite: Von ruhigen, wunderschönen (aber nicht kitschigen!) Balladen bis zu krassen Growls ist alles dabei. Und dabei jede Menge krumme Taktarten und abgefahrene Harmoniefolgen. Die Produktion klingt sehr warm und erdig, aber trotzdem ziemlich differenziert und gewitzt. Ein tolles Doppelalbum!
Haken – Aquarius (VÖ 26.3.): Ganz schön abgefahrener Frickel-Prog! Dabei hört man der Platte nicht an, dass es sich um das Debütalbum der Briten handelt: Das Songwriting ist stimmig und die Produktion ziemlich dick. Und die Musiker sind der Wahnsinn, die könnten jeden Dream-Theater-Song ohne Probleme nachspielen! Vor allem der Bassist spielt ganz schön abgefahrene Fretless-Geschichten. Die Songs haben im Durchschnitt über 10 Minuten und sind ganz großes Ohrenkino: Da werden mal wahnsinnige Bombast-Keyboards ausgepackt, es gibt Gitarrensoli die dir die Schuhe ausziehen, Unisono ist eh eins der Lieblingswörter der Herren, und dann gibt es ab und zu noch diese total abgedrehten, aber witzigen Zirkusmusik-Einlagen. Trotzdem schaffen sie es ab und an aber doch, sich zurückzuhalten und wider Erwarten songdienlich zu spielen… Ein cooles Album, bin mal gespannt auf den Nachfolger!
Stone Sour – Audio Secrecy (VÖ 3.9.): Stone Sour ist eine recht unauffällige Megaseller-Band. Jeder kennt sie, jeder mag sie, aber irgendwie spricht niemand über sie (sondern höchstens mal über die personalverwandten Slipknot). Das ist eigentlich schade, denn mit Audio Secrecy haben sie schon ihr drittes richtig gutes Album abgeliefert. Und musikalisch liegen da Welten zum Vorgänger Come Whatever May, die Jungs sind einfach noch besser geworden! Die Songs sind kompakt und wahnsinnig vielseitig. Skip-Tracks gibt es nicht. Die Aufnahme ist im renommierten Blackbird-Studio in Nashville, TN entstanden – und klingt dementsprechend gut. Corey Taylor hat glaube ich noch nie so gut gesungen wie auf der Audio Secrecy, und bei der Hook-Dichte fragt man sich eh warum er bei Slipknot überhaupt unmelodisch brüllen muss.
Pain Of Salvation – Road Salt One (VÖ 14.5.): Früher hat es sich bei dieser Band mal um eine ganz schön abgefahrene Progressive-Formation gehandelt, mit der im vorigen Herbst erschienenen EP „Linoleum“ hat sich jedoch abgezeichnet dass das nächste Album in eine songorientierte, simplere Richtung gehen würde. Ich fand diese Entwicklung ziemlich interessant, und als ich Daniel Gildenlöw dann noch mit Transatlantic live gesehen und einmal mehr für genial befunden habe, musste ich mir die RS1 natürlich direkt kaufen – und staunen: Das Album geht weit über Hard Rock hinaus und mischt fröhlich auch völlig neue Elemente wie Blues, Walzer und sogar reine A-Capella-Passagen unter. Dazu kommen die PoS-typischen Klavierhooks und wunderschöne Melodien. Die Produktion klingt sehr warm und vintage-mäßig, aber niemals verstaubt oder altbacken. Daniel Gildenlöw hat es geschafft, den musikalischen Stil gegenüber älteren Alben komplett zu drehen, aber gleichzeitig die typischen Trademarks beizubehalten und dabei ein richtig tolles Album fabriziert!










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